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Aufklärung: HomeSchooling-Noten ungültig

Befreiung aus der Angst vor HomeSchooling-Noten

Lesezeit: 10:00 Min.

Coro­na Schul­schlie­ßun­gen. Zuerst Shut­down, jetzt Teil­zeit­schu­le. Unser Land war auf eine der­art flä­chen­de­cken­de Ein­schrän­kung des Schul­be­triebs nicht vor­be­rei­tet. Eini­ge Kin­der schaf­fen die Schul­auf­ga­ben zuhau­se nicht. Stress ent­steht in Fami­li­en in der Sor­ge, dass die zuhau­se erbrach­ten Leis­tun­gen der Schü­ler beno­tet wer­den sol­len. Zur Hei­lung der Ver­un­si­che­rung soll die­ser Arti­kel bei­tra­gen …

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“Die recht­li­che Sicht”

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Teil­zeit-Schu­le nach dem Shut­down. Auf­grund der Coro­na­kri­se arbei­ten die Schu­len in Deutsch­land nach wie vor ein­ge­schränkt. Kul­tus­mi­nis­ter, Schul­lei­ter, Leh­rern und Eltern ste­hen vor völ­lig neu­en Auf­ga­ben. An Grund­schu­len ist sogar die Schul­pflicht aus­ge­setzt.

Ich sage es bereits in mei­nen Vor­trä­gen: Unser Land war auf eine flä­chen­de­cken­de Ein­schrän­kung des Schul­be­triebs nicht vor­be­rei­tet. Auf­grund der Not­stands­si­tua­ti­on fin­det die Aus­bil­dung unse­rer Kin­der der­zeit in einem rechts­frei­en Raum statt. So etwas hat es hier­zu­lan­de noch nie gege­ben. Dafür bestehen auch kei­ne Blau­pau­sen, Leit­fä­den oder Vor­ga­ben. Schü­ler*, Eltern, Leh­rer und die Mit­ar­bei­ter und Ent­schei­der der Kul­tus­be­hör­den müs­sen jetzt wohl­wol­lend mit­ein­an­der impro­vi­sie­ren.  Dazu braucht es Augen­hö­he und gegen­sei­ti­ge Akzep­tanz. Dort, wo dies gewohn­heits­mä­ßig fehlt oder ver­se­hent­lich abhan­den gekom­men ist, gesche­hen Din­ge, die den Fami­li­en und ihren Kin­dern ganz und gar nicht gut tun. 

*wenn nicht expli­zit aus­ge­schlos­sen, sind in allen Bei­trä­gen die­ser Web­site stets alle Geschlech­ter gemeint. 

Um dies abzu­wen­den, um Augen­hö­he und Akzep­tanz dort her­zu­stel­len, wo sie gera­de drin­gend benö­tigt wird, schrei­be ich die­sen Bei­trag. Die­ser Arti­kel soll jene Kin­der und Jugend­li­chen schüt­zen, die aktu­ell unter der Situa­ti­on zu lei­den haben. Ich möch­te ihnen und ihren Fami­li­en Kraft geben, ihnen Mut machen und Impul­se zur Ent­span­nung geben. Der Arti­kel soll Schü­lern und ihren Eltern hel­fen, sich vom Noten­druck zu befrei­en, gesund und bei guter Stim­mung zu blei­ben in die­ser schwie­ri­gen Zeit.

Und er soll Leh­rer und Schul­lei­ter ermu­ti­gen, die  Fami­li­en aus ihrem häus­li­chen Druck zu befrei­en. In zwei­ter Instanz möch­te ich damit auch allen Leh­rern und Schul­lei­tern Klar­heit geben, die sich von den Schul­schlie­ßun­gen über­rum­pelt und von der Kul­tus­ad­mi­nis­tra­ti­on mit der Bewäl­ti­gung der Lage mit­un­ter im Stich gelas­sen füh­len.

Letz­te­re möch­te ich, bei allem Ver­ständ­nis für die Neu­heit der Her­aus­for­de­rung, mit die­sem Arti­kel zur Ver­ant­wor­tung rufen und den dort täti­gen Ent­schei­dern auf­zei­gen, wo Abhil­fe gesche­hen soll­te. Je nach dem, wie kurz oder lang die­ser Zustand andau­ern wird, soll die­ser Arti­kel sie anre­gen, ver­nünf­tig und prag­ma­tisch das zu tun, was den gesell­schaft­li­chen Stress­pe­gel senkt und auch ihnen selbst nach Coro­na das Leben leich­ter macht.

Mein Anlie­gen bei die­ser Bemü­hung ist es, dass sich alle fünf Grup­pen (Schü­ler, Eltern, Leh­rer, Schul­lei­ter, Kul­tus­ent­schei­der) in die­ser schwie­ri­gen Zeit gegen­sei­tig unter­stüt­zen — soli­da­risch und acht­sam, mit einem Blick für die Lage der ande­ren Betei­lig­ten. Und für­sorg­lich für das schwächs­te Glied in die­ser Ket­te.

Worum es nicht geht

Die­ser Arti­kel dient nicht der Eröff­nung irgend­wel­cher Gra­ben­kämp­fe. Fein­des­li­ni­en brin­gen uns in die­sen Zei­ten nicht wei­ter. Ich selbst emp­fin­de gro­ße Wert­schät­zung für den Leh­rer­be­ruf. Ich wir­ke seit zehn Jah­ren ver­trau­ens­voll mit Leh­rern und Schul­lei­tern zusam­men und ken­ne die Her­aus­for­de­run­gen des Schul­be­trie­bes. Schu­len hal­te ich für essen­zi­el­le Ein­rich­tun­gen. Sie sind loka­le Instan­zen zur Erhal­tung unse­rer Demo­kra­tie. Auch mit Kul­tus­be­am­ten und dem ein oder ande­ren Kul­tus­mi­nis­ter pfle­ge ich guten Umgang.

Ich ken­ne also das Metier und weiß, wovon ich rede. Gera­de die­se Kennt­nis jedoch ist es, die mich nicht still­sit­zen lässt, wenn ich unge­wöhn­lich gro­ße Miss­stän­de wahr­neh­me, die zwi­schen all die­sen Grup­pen ent­ste­hen. Ich kann vor allem dann nicht still­sit­zen, wenn die­se Misstän­de auf dem Rücken der Kin­der und ihrer Fami­li­en las­ten.

Also, lie­be Leh­rer und Schul­lei­ter, die wir uns stän­dig begeg­nen, lie­be Refe­ren­ten beim Kul­tus, lie­be Staats­mi­nis­ter: ich schüt­ze die Jüngs­ten, denn sie lie­gen mir genau­so am Her­zen, wie vie­len von Ihnen. Des­halb ver­öf­fent­li­che ich die­sen Bei­trag. Ich bemü­he mich dabei, ihn so zu schrei­ben, dass Sie alle davon einen Erkennt­nis­ge­winn haben. 

Was gerade schief läuft

Leh­rer tun ihr Bes­tes um Schü­ler wei­ter­hin aus der Fer­ne zu unter­rich­ten. Kaum kön­nen Schu­len aber tat­säch­lich einen Fern­un­ter­richt durch Fach­per­so­nal gewähr­leis­ten. Der wohl­klin­gend benann­te „Fern­un­ter­richt“ äußert sich im wah­ren Leben in der Zumu­tung an die Eltern­häu­ser, in irgend­ei­ner Form Ersatz­leh­rer zu spie­len.

Eini­gen Eltern gelingt das gut. Sie sind durch die Coro­na­kri­se nicht von Exis­tenz­ängs­ten betrof­fen und haben auch kei­ne betreu­ungs­in­ten­si­ven Geschwis­ter zuhau­se. Dem Beschu­len ihrer Kin­der kön­nen sie sich dann in aller Ruhe wid­men, sie anspor­nen und unter­rich­ten. Auch ein gewis­ser Anteil der Schü­ler scheint vor allem mit wie­der­ho­len­den und ver­tie­fen­den Auf­ga­ben gut zurecht zu kom­men. Eini­ge haben sogar ihre hel­le Freu­de am Schul­stoff und ler­nen zuhau­se am Com­pu­ter sogar flin­ker als sonst im Klas­sen­zim­mer. Über Chat­räu­me erle­di­gen sie sogar vie­le Auf­ga­ben gemein­sam mit Ande­ren. Wun­der­bar.

In vie­len Fami­li­en sieht es aller­dings ganz anders aus. Eini­ge Leh­rer und Schul­lei­ter nut­zen die Noten-Ankün­di­gung als rei­nes Druck­mit­tel, damit Schü­ler ihre Auf­ga­ben ernst neh­men. Sowohl wie­der­ho­len­de Auf­ga­ben, als auch selb­stän­dig neu erar­bei­te­ter „Stoff“ soll beno­tet wer­den. 

In mei­nem Arti­kel Schluss mit dem Home­Schoo­ling-Stress schil­der­te ich die Über­for­de­rung vie­ler Kin­der, Jugend­li­cher und ihrer Eltern, die die­ses Sze­na­rio erzeugt. Ein gesund­heits­ge­fähr­den­der psy­chi­scher Stress ent­steht tat­säch­lich in Fami­li­en, wenn nun ange­kün­digt wird, dass die zu erbrin­gen­den Leis­tun­gen der Schü­ler ver­pflich­tend sei­en und trotz augen­schein­lich aus­ge­setz­ter Schul­pflicht sogar beno­tet wer­den dür­fen. Eltern fürch­ten mas­si­ve Ver­set­zungs­ge­fähr­dung ihrer Kin­der am Ende des Schul­jah­res und wis­sen weder, wie sie all dem Schul­stoff, noch die­ser emp­fun­de­nen Unge­rech­tig­keit Herr wer­den sol­len. Schul­lei­ter tru­gen mir sogar zu, dass der elter­li­che Ver­such, das Home­Schoo­ling ihrer Kin­der best­mög­lich zu bewäl­ti­gen, in der ohne­hin ange­spann­ten Fami­li­en­si­tua­ti­on zum Aus­bruch häus­li­cher Gewalt füh­re. 

Mit die­sen Äuße­run­gen zur Beno­tung ver­sto­ßen die Schu­len jedoch gegen das Gesetz. Eltern brau­chen das nicht hin­zu­neh­men. Die­ser Arti­kel erklärt, was Sie tun kön­nen. 

Appell zur Güte

Zunächst ein Appell an gestress­te und zor­ni­ge Eltern: Ver­ur­tei­lun­gen und Schuld­zu­wei­sun­gen sind fehl am Platz. Leh­rer sind oft selbst Eltern. Auch ihre Kin­der haben daheim Auf­ga­ben bekom­men. Sie ken­nen die Situa­ti­on. Zwar sind sie, anders als alle sons­ti­gen Eltern, didak­tisch geschult und schüt­teln ein gelin­gen­des Home­Schoo­ling mit­un­ter locker­leicht aus dem Ärmel. Auch haben sie ein rela­tiv kri­sen­si­che­res Ein­kom­men und ten­den­zi­ell gerin­ge­re Exis­tenz­ängs­te aus­zu­ste­hen als vie­le Eltern in ande­ren Berufs­grup­pen. Den­noch sehen vie­le Leh­rer durch­aus ein, dass das Home­Schoo­ling wäh­rend Coro­na in vie­len Fami­li­en kein leich­tes Unter­fan­gen ist. Vie­le wol­len gar nicht beno­ten, obwohl ihnen gesagt wur­de, dass sie es dürf­ten.

Und zur Güte mit allen, die es doch tun: Unse­re Leh­rer kün­di­gen mög­li­che Beno­tun­gen der, im „Fern­un­ter­richt“ erbrach­ten, Leis­tun­gen nicht an, um Schü­lern und ihren Eltern Stress zuzu­fü­gen. Son­dern ein­fach des­halb, weil sie ihren Dienst­auf­trag gut erfül­len wol­len. Irgend­wie ver­su­chen sie, den Laden am Lau­fen zu hal­ten.

Und der besagt nun mal, dass sie auf irgend­ei­nem Wege Noten gene­rie­ren sol­len. Und hier lässt die Kul­tus-Admi­nis­tra­ti­on die Leh­rer in eini­gen Län­dern allein. Was wäre, wenn es ihnen nicht gelän­ge, trotz Schul­schlie­ßun­gen Noten zu gene­rie­ren? Wie soll­ten Zeug­nis­se erteilt wer­den? Wie könn­te man Schü­ler in die nächs­te Klas­sen­stu­fe ver­set­zen? Dann gerie­te auf­grund der Coro­na­kri­se schließ­lich die gan­ze Schul­struk­tur aus den Fugen.


Ver­ständ­li­cher­wei­se tun Leh­rer nun das Nahe­lie­gen­de: sie beru­fen sich auf ihre Erlaub­nis zur Bewer­tung der Leis­tun­gen aus dem Fern­un­ter­richt. Man hofft, dass sich die Eltern­häu­ser nicht beschwe­ren wer­den. Und in frü­he­ren Zei­ten mit einer weni­ger auf­ge­klär­ten und schlech­ter ver­netz­ten Zivil­ge­sell­schaft, hät­te das ver­mut­lich auch wun­der­bar geklappt.

Impulse für Schüler

Euch ohne oder mit wenig Unter­richt zu beno­ten, wäre unge­recht und falsch. Außer­dem ver­stößt es gegen das Gesetz. Eure Leh­rer wis­sen das viel­leicht nur noch nicht. Sie machen das nicht um Euch zu ärgern, son­dern weil es ihnen so gesagt wur­de. Die Lage ist für uns alle neu. Macht jetzt den Mund auf. Sagt Euern Eltern und Euern Leh­rern, ob und wie Ihr mit den Auf­ga­ben zuhau­se zurecht kommt. Zeigt guten Wil­len, aber lasst Euch nicht unter Druck set­zen. Bit­tet die Leh­rer auf die Beno­tung zu ver­zich­ten, wenn sie Euch unter Druck setzt. Bit­tet Eure Eltern um Schutz, falls den­noch beno­tet wird. Und was auch immer dabei her­aus­kommt, seid Euch sicher: ihr seid nicht Eure Noten. 


Impulse für Eltern

Bit­te bewahrt Ruhe. Ent­spannt zuhau­se die Lage. Ihr braucht nicht Ersatz­leh­rer zu spie­len. Wenn Eure Kin­der die Auf­ga­ben nicht sel­ber bewäl­ti­gen kön­nen, sagt es dem Leh­rer. Der sagt es dem Schul­lei­ter und der dem Kul­tus. Kul­tus wird han­del­te bereits, als sie erfuh­ren, wie vie­le Fami­li­en das betrifft. Mit­ein­an­der zu reden ist das Aller­wich­tigs­te. Teilt den Leh­rern mit, wie die häus­li­che Situa­ti­on ist, wie es Euern Kin­dern geht, wie weit Ihr im Home­Schoo­lo­ing hel­fen könnt oder eben nicht. Und sagt ihnen, dass Ihr eine Beno­tung nicht akzep­tie­ren wer­det. (Zur Anfech­tung wei­ter unten…).

Eltern­spre­cher fra­gen die Lage am bes­ten in ihren Klas­sen ab und mel­den sie ein­mal gebün­delt an den Klas­sen­leh­rer. So erspart ihr ihm eine zu gro­ße Auf­ga­ben­flut, denn Euer Klas­sen­leh­rer ist ja par­al­lel auch noch Fach­leh­rer und erhält even­tu­ell gera­de bereits 80 E‑Mails pro Tag. Eltern­rä­te, bün­delt Euch in Stadt-und Lan­des­el­tern­rä­ten und sprecht in offe­nen Brie­fen Eure Kul­tus­mi­nis­ter an. Jetzt gehö­ren alle fünf Grup­pen an einen Tisch. Sor­ry, in einen Video­Chat. 

Befreit Eure Kin­der vom Noten­druck. Ihre men­ta­le Gesund­heit ist wich­ti­ger als ihre aka­de­mi­schen Skills. Sagt ihnen, dass sie nicht zwin­gend jede Auf­ga­be erle­di­gen müs­sen. Sagt ihnen zu, dass sie nicht ver­set­zungs­ge­fähr­det wer­den durch die Home­Schoo­ling-Pha­se. Ladet sie ein, selbst mit ihren Leh­rern zu spre­chen. Garan­tiert ihnen Euern Schutz durch Anfech­tung unrecht­mä­ßig zustan­de gekom­me­ner Zeug­nis­se. Ihr braucht Eure Kin­der auch nicht zur Erle­di­gung ihrer Schul­auf­ga­ben zu zwin­gen. Ich könnt sie anre­gen, aber wenn das nicht klappt, dann ist das okay. Sie dür­fen dafür nicht per Note „bestraft“ wer­den. Mehr dazu im Absatz über die Rechts­la­ge. 


Impulse für Lehrer

Ich weiß, Ihr liebt Euer Fach. Aber es geht jetzt nicht um die Inhal­te. Es geht jetzt um die Kin­der. Und die sit­zen gera­de seit Wochen zuhau­se, dür­fen nicht in die Zoos, Schwimm­bä­der oder sonst­wo hin und sie dür­fen ihre Freun­de nicht tref­fen. Sie dür­fen in die­ser schwie­ri­gen Situa­ti­on auch mal fau­len­zen. Sicher kom­men sie dabei auch irgend­wann auf wun­der­ba­re eige­ne Ideen. Ihr habt dann kei­nes­falls ver­sagt.

Fragt aktiv bei Euern Eltern­spre­chern nach, wie es den Fami­li­en in den Klas­sen geht. Bie­tet am bes­ten auch begrenz­te Tele­fon­zei­ten an, in denen Ihr direkt erreich­bar seid oder Rück­ru­fe tätigt. 

Schickt Eure Auf­ga­ben tage­wei­se und auf nur einem ein­zi­gen Kanal, nicht im Bün­del und nicht über ver­schie­de­ne. So kön­nen die Schü­ler sich bes­ser orga­ni­sie­ren.

Nur weil Ihr augen­schein­lich beno­ten dürft, müsst ihr es nicht tun. Das täte Eurer Berufs­grup­pe übri­gens auch gar nicht gut. Stellt Euch nur ein­mal vor, ihr kämt mit den Beno­tun­gen wei­test­ge­hend durch, die Noten fie­len sogar rela­tiv gut aus, so dass sich Weni­ge beschwe­ren. Was sag­te das denn über die Bedeu­tung Eurer Berufs­grup­pe aus?

Sind Leh­rer dann über­haupt wirk­lich noch not­wen­dig? Ist das Lehr­amts­stu­di­um mög­li­cher­wei­se doch nicht so viel wert, wie behaup­tet? Ist die Anwe­sen­heits­pflicht für Schü­ler im Klas­sen­zim­mer über­haupt noch not­wen­dig? Ganz Deutsch­land hat doch gese­hen, dass es auch irgend­wie ohne dies alles geht. Mit etwas Opti­mie­rung und sta­bi­len Ser­vern, lie­fe das dann bald auch stress­frei ab. Wozu bräuch­te es all die­se alten Struk­tu­ren dann noch?

Ganz ehr­lich: Pfeift im Not­stand mal auf die Noten­ge­bung. Ihr seid als Leh­rer so viel mehr, als Selek­tie­rer. Ihr seid Anre­ger, Aus­bil­der, Rat­ge­ber, Spar­rings­part­ner und eini­ge von Euch sind sogar per­sön­li­che Bezugs­per­so­nen. Seid ohne Druck für Eure Schü­ler da. Führt ech­te Gesprä­che: jetzt geht es um Bezie­hung, nicht um Anwei­sun­gen! Nie­mand wird Euch danach ankrei­den, ihr hät­tet Euch nicht geküm­mert. 

Schön und gut. Aber wie geht es danach wei­ter? 

Wenn die Schu­len wie­der öff­nen, ver­bleibt Euch wahr­schein­lich nur noch wenig Zeit im Rest­schul­jahr, um zu den rest­li­chen Noten zu gelan­gen. Hier könnt Ihr Euch ent­span­nen. Den Lehr­plan schafft Ihr ohne­hin nicht mehr. Eini­ge Kul­tus­mi­nis­ter haben das bereits offi­zi­ell gebil­ligt. In den fol­gen­den Schul­jah­ren wer­den den Schü­lern Gele­gen­hei­ten gefun­den, das Ver­pass­te auf­zu­ho­len. In den meis­ten Fächern genü­gen bereits drei Noten, um Zeug­nis­se ertei­len zu dür­fen. In der Klas­sen­kon­fe­renz könnt Ihr Coro­na-beding­te Abwei­chun­gen von der einst fest­ge­leg­ten Min­dest­an­zahl beschlie­ßen. Mit euern Schü­lern und deren Eltern, die noch­mal Gas geben wol­len, könnt Ihr schnel­le, indi­vi­du­el­le Lösun­gen ver­ein­ba­ren. Traut euch hier mutig zu sein, prag­ma­ti­sche Wege zu gehen. For­ma­te zur Noten­ge­win­nung kön­nen sein:

  • Grup­pen­ar­beit als Klas­sen­ar­beit bewer­ten
  • in Über­for­de­rungs­tests nur das beno­ten, was jemand gemacht hat und was er kann
  • Prä­sen­ta­tio­nen, Vor­trä­ge, Pla­ka­te beno­ten
  • Vide­os und Audi­os beno­ten

Impulse für Schulleiter

Bit­te helft mit, den gesell­schaft­li­chen Stess­pe­gel zu sen­ken. Infor­miert Kul­tus dar­über, wie es Euern Fami­li­en zuhau­se ergeht. Beson­ders nach der Coro­na­zeit, gilt es wie­der Ord­nung her­zu­stel­len. Das braucht all Eure Kraft. Es braucht Ruhe, um den Laden wie­der zum Lau­fen zu brin­gen. Eure Kol­le­gi­en soll­ten daher jetzt kei­ne „Sit­zen­blei­ber“ und vor allem kei­ne spä­te­ren Zeug­nis-Anfech­tun­gen pro­vo­zie­ren.

Die­se wür­den Prä­ze­denz­fäl­le schaf­fen. Und damit stün­de Euer Schul­frie­den auf dem Spiel. Eine Anfech­tungs­wel­le könn­te die gan­zen Klas­sen­pla­nun­gen lahm­le­gen. Ratet Euerm Kol­le­gi­um daher von Beno­tun­gen ab. Mit einem gewis­sen Rest­ri­si­ko könn­tet Ihr auch die frei­wil­li­ge Beno­tung anbie­ten. 

Impulse für die Kultusadministration

Lasst die Situa­ti­on der Schul­schlie­ßun­gen nicht zu einem Schlacht­feld wer­den. Macht sie zu einem Ent­wick­lungs­feld. For­dert die Schu­len auf, die Beno­tung in allen Schul­ar­ten und Klas­sen­stu­fen zu unter­las­sen. Hal­tet Euch an Eure eige­nen Geset­ze. Gera­de jetzt ist es ein ent­schei­den­des Vor­bild-Signal an alle Jugend­li­chen, dass Ihr Euch an die Schul­ge­set­ze hal­tet. Star­tet den offe­nen Dia­log um zu eva­lu­ie­ren.

Befragt Leh­rer, Schü­ler und ihre Fami­li­en, was in die­ser Zeit der Schul­schlie­ßung gut funk­tio­niert hat und was nicht. Die Erkennt­nis­se dar­aus kön­nen den gesam­ten Kul­tus­ap­pa­rat im Sin­ne guter schu­li­scher Aus­bil­dung vor­an­brin­gen. Zur glo­ba­len Bil­dungs­ko­ali­ti­on der UNESCO könnt Ihr die gewon­ne­nen Erkennt­nis­se eben­falls bei­steu­ern. Men­schen wer­den dann sagen, Ihr habt das Bes­te aus der Situa­ti­on gemacht. 

Die Rechtliche Sicht

Falls aller Dia­log nichts bringt und den­noch Coro­na-Noten erteilt wer­den, hier die fun­dier­te recht­li­che Betrach­tung. Ich habe mich dazu mit dem Rechts­an­walt Erik Jochem der Kanz­lei Poh­le Rechts­an­wäl­te in Leip­zig getrof­fen und die Situa­ti­on erör­tert. 

Bewertung ist nicht Benotung

Vie­le Leh­rer kün­di­gen Bewer­tung der Home­Schoo­ling Auf­ga­ben an. Das bedeu­tet nicht, dass sie Noten ertei­len wer­den. Sie möch­ten den Schü­lern hin­ge­gen Rück­mel­dun­gen für ihre Leis­tun­gen geben. Leh­rer sind von den Kul­tus­be­hör­den ange­hal­ten, die­se Rück­mel­dun­gen wert­schät­zend und ermu­ti­gend zu for­mu­lie­ren sowie Hin­wei­se für wei­te­res Ler­nen zu geben. An Gym­na­si­en, Fach­ober­schu­len, beruf­li­chen Gym­na­si­en und wei­te­ren Schul­for­men erlau­ben die Kul­tus­be­hör­den eini­ger Län­der jedoch den­noch Noten für das Home­Schoo­ling zu ertei­len. 

Benotung ist nicht zulässig

Die Coro­na-beding­ten Schul­schlie­ßun­gen sind eine noch nie dage­we­se­ne Situa­ti­on in Deutsch­land. Sie sind begrün­det auf dem Infek­ti­ons­schutz­ge­setz. Im Schul­recht der Län­der ist die der­zei­ti­ge Lage aller­dings nicht gere­gelt. Schu­le agiert daher aktu­ell in einer Pha­se der Impro­vi­sa­ti­on. Alle Ange­le­gen­hei­ten, für die es ein­fach kei­ne gesetz­li­chen Vor­ga­ben gibt, müs­sen in einem rechts­frei­en Raum nun von allen Betei­lig­ten nach bes­tem Wis­sen und Gewis­sen gestal­tet wer­den. Qua­si „frei­hän­dig“. Din­ge, die aber im Gesetz bereits klar gere­gelt sind, wer­den dadurch nicht außer Kraft gesetzt. Und dazu gehört eben die Sache mit der Beno­tung.   

Der Staat muss in Deutsch­land den Schul­un­ter­richt gewähr­leis­ten. Wenn das nun aktu­ell nicht geht, dann darf der Staat die Kin­der nicht ver­ant­wort­lich machen und wei­ter­hin Zukunfts­chan­cen selek­tie­ren. Wir haben es mit einer Not­stands­si­tua­ti­on zu tun. Es fin­det kei­ne Ver­mitt­lung an die Schü­ler statt, weil der Staat sie schlicht und ein­fach gera­de nicht gewähr­leis­ten kann. Es han­delt sich hier nicht um „Fern­un­ter­richt“, son­dern um kei­nen Unter­richt.

Der gern gebrauch­te Begriff des „Fern­un­ter­richts“ ist ein soge­nann­ter Ter­mi­nus Tech­ni­cus und zum Bei­spiel im Fern­un­ter­richts­schutz gere­gelt. Er wäre ein Äqui­va­lent zum nor­ma­len Schul­un­ter­richt mit Beno­tungs­mög­lich­keit. Der blo­ße E‑Mail- oder Tele­fon­kon­takt zwi­schen Leh­rer und Schü­ler kann jedoch nicht als Fern­un­ter­richt ein­ge­stuft wer­den. Nach § 38b SchulG (Sach­sen) ist E‑Learning — Unter­rich­tung über elek­tro­ni­sche Medi­en und/oder Lern- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­platt­for­men, ein Spe­ziel­fall des Fern­un­ter­richts — bis­lang nur auf­grund ent­spre­chen­der Beschlüs­se der Schul­kon­fe­renz, also unter Betei­li­gung der Eltern mög­lich (§ 43 SchulG). Soweit Pri­vat­schu­len E‑Learning unter Umge­hung von § 38b SchulG betrei­ben woll­ten, wäre das, soweit der Schul­ver­trag noch kei­ne ent­spre­chen­den Rege­lun­gen ent­hält, eine Ände­rung des Schul­ver­trags, die eben­falls nur ein­ver­ständ­lich mit den Eltern erfol­gen kann.

Die gebo­te­ne Eile der Schul­schlie­ßun­gen mach­te bei­de genann­ten Ver­fah­ren unmög­lich. Was nicht das bestehen­de Gesetz aus­he­belt — ein grund­sätz­li­cher Fakt in unse­rem Rechts­staat und beson­ders wich­tig in die­ser Zeit der Coro­na­kri­se. In der jet­zi­gen Situa­ti­on fin­det also gera­de kein Unter­richt statt. Es ist wich­tig, dass Eltern die­sen Unter­schied erken­nen.

In der Schu­le fin­det kein Unter­richt statt, weil die Schu­len geschlos­sen sind. Und über elek­tro­ni­sche Medi­en fin­det kein Unter­richt statt, weil § 38a SchulG (Bei­spiel Sach­sen) dazu ein Kon­zept der Schul­kon­fe­renz ver­langt. Ohne ein sol­ches Kon­zept kann die Schu­le den Unter­richt nicht ein­sei­tig in die elek­tro­ni­schen Medi­en ver­la­gern – Leit­bild des Unter­richts ist nach wie vor der phy­si­sche Schul­be­such.

Im Übri­gen wider­sprä­che die Ver­la­ge­rung des “Unter­richts” in die elek­tro­ni­schen Medi­en ohne­hin der Anord­nung des Kul­tus­mi­nis­te­ri­ums, dass aktu­ell „unter­richts­freie“ Zeit besteht. Hier beißt sich recht­lich also die sinn­bild­li­che Kat­ze in den eige­nen Schwanz.

Der, aus der Fer­ne zuge­sand­te, Schul­stoff ist eine Not­stands­maß­nah­me ohne die ent­spre­chen­de Ver­mitt­lungs­leis­tung. Solan­ge die­se Not­stands­maß­nah­me nicht gesetz­lich ver­an­kert ist, darf hier nicht beno­tet wer­den. Des­halb sind der­zeit auch kei­ne Klas­sen­ar­bei­ten zuläs­sig. Schü­ler müs­sen grund­sätz­lich die Mög­lich­keit haben, durch eige­ne Mit­tel die Ver­set­zung zu errei­chen. Da dies der­zeit kei­nem Schü­ler mög­lich ist, ist auch kei­ne Noten­ge­bung mög­lich, die sei­ne Ver­set­zung gefähr­den könn­te.  

Die Leis­tungs­be­wer­tung in der Schu­le unter­liegt in Deutsch­land detail­lier­ten recht­li­chen Vor­schrif­ten. Die Wege, auf denen Schul­no­ten zustan­de kom­men, müs­sen fest­ge­leg­ten Kri­te­ri­en genü­gen. Die­se fin­den sich in den ein­zel­nen Schul­ge­set­zen der Län­der und den zuge­hö­ri­gen Ver­ord­nun­gen. Die zuge­sand­ten Auf­ga­ben wäh­rend des Not­stands­pha­se zäh­len in den Bereich der Haus­auf­ga­ben. Und die­se dür­fen in fast allen Bun­des­län­dern regu­lär nicht beno­tet wer­den.

Ein­zel­ne Aus­nah­men sind mög­lich und kön­nen eine Klas­sen­ar­beit erset­zen, wenn: 

  • die Auf­ga­be auf Schul­stoff beruht, der bereits in der Schu­le ver­mit­telt wur­de und ledig­lich der Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung dient
  • die Beno­tung nicht ein­zel­ne Schü­ler, son­dern die gan­ze Klas­se betrifft
  • die Beno­tung vor­her ange­kün­digt wird

Dann, und nur dann, darf eine ein­zel­ne Haus­auf­ga­be aus­nahms­wei­se beno­tet wer­den. Es han­delt sich dabei um ganz abge­grenz­te Fäl­le, soge­nann­te sons­ti­ge Leis­tun­gen. Sie sind gere­gelt zum Bei­spiel im § 24 Abs. 1 Nr. 3, Schul­ord­nung Gym­na­si­en (Sach­sen). Dies darf nicht meh­re­re Male auf­ein­an­der­fol­gend, son­dern nur ver­ein­zelt erfol­gen. Wäh­rend der Schul­schlie­ßun­gen kann ein Fach­leh­rer also nur sehr ver­ein­zel­te Wie­der­ho­lungs- und Ver­tie­fungs­auf­ga­ben beno­ten. Mehr nicht.

Die­se Vari­an­te ist außer­dem zeit­lich nur sehr begrenzt mög­lich. Laut § 28 Schul­ord­nung Gym­na­si­en (Sach­sen) müs­sen Haus­auf­ga­ben in inne­rem Zusam­men­hang mit dem Unter­richt ste­hen. Dar­aus folgt: Wenn über län­ge­re Zeit kein Unter­richt erfolgt, dann sind sogar auch kei­ne ein­zel­nen Haus­auf­ga­ben mehr benot­bar. Dau­ert die Schul­schlie­ßung also noch län­ger an, schwin­det auch die­se Opti­on dahin.

Grund­sätz­lich gilt: von beno­te­ten Haus­auf­ga­ben darf nie­mals die Ver­set­zung des Schü­lers in die nächs­te Klas­sen­stu­fe abhän­gen. Eben­so unzu­läs­sig ist die weit ver­brei­te­te „Haus­auf­ga­ben-Sechs“ als Sank­ti­on einer Nicht-Erfül­lung. Beno­tung darf in Deutsch­land nie­mals als Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me miß­braucht wer­den. 

Jeg­li­che beno­te­te Leis­tung muss wei­ter­hin die Eigen­leis­tung des Schü­lers sein. Dies ist wäh­rend der Schul­schlie­ßun­gen nicht ein­schätz­bar. 

Ob Schü­ler ver­pflich­tet wer­den dür­fen, sich der­zeit zuhau­se selb­stän­dig neu­en Schul­stoff zu erar­bei­ten, hängt vom Alter der Kin­der ab. Beno­tet wer­den darf auch dies aber in kei­nem Fall. Die Begrün­dung ist so sim­pel wie ein­leuch­tend. Im Schul­ge­setz gibt es nur die For­ma­te: 

  • Unter­richt
  • Leis­tungs­nach­wei­se
  • Haus­auf­ga­ben

Die jetzt zuge­sand­ten “Lern­auf­ga­ben” (oder wie auch immer anders sie in den Län­dern beti­telt wer­den) sind eine gesetz­lich nicht gere­gel­te Mischung aus (Selbst-)unterricht und dar­auf bezo­ge­nen Haus­auf­ga­ben. In höhe­ren Klas­sen, ab Klas­se 10 min­des­tens ein­mal pro Schul­jahr, kann eine soge­nann­te kom­ple­xe Lern­leis­tung ver­langt wer­den, bei der sich Schü­ler Inhal­te selbst aus unter­schied­li­chen Quel­len erar­bei­ten.

Der ein­zi­ge wei­te­re – aber gesetz­lich nicht gere­gel­te Fall – in dem sich Schü­ler Lern­stoff tat­säch­lich ein­mal selbst erar­bei­ten müs­sen, ist im Fall der Nach­ho­lung bei Erkran­kung. Das basiert dann aber indi­rekt auch auf statt­ge­fun­de­nem Unter­richt in Form von Mit­schrif­ten der Mit­schü­ler etc.. 

Fazit: Wenn es gene­rell im Gesetz das For­mat der der­zei­ti­gen „Lern­auf­ga­ben“ nicht gibt, dann ist das zwar ein groß­ar­ti­ges Ange­bot der Schu­len, die­se Inhal­te zur Ver­fü­gung zu stel­len und jede Schu­le soll­te dem auch gerecht wer­den. Sie kön­nen aber ohne Ein­ver­ständ­nis der Eltern auch nicht als sons­ti­ge Leis­tung beno­tet wer­den. Das ist jeden­falls die Posi­ti­ti­on, die Eltern ver­tre­ten müss­ten, wenn es bei einer Anfech­tung für die Ver­set­zung dar­auf ankommt. Noch mehr Rück­halt hier im Arti­kel des Anwalts, der mich bera­ten hat.

Die bes­te Lösung lau­tet jetzt:

Frei­wil­li­ge Beno­tung.

Die Leh­rer ent­schei­den nun, ob sie Beno­tung aus­üben. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Eltern, Leh­rer und Kin­dern ist dann das ers­te Mit­tel der Wahl. Soll­te es dann tat­säch­lich zum Streit über die Noten kom­men, müs­sen spä­ter die Rich­ter dar­über ent­schei­den. Ent­schei­dend ist jetzt aber, dass die Eltern die Beschwer­de sofort bei der Schul­lei­tung kund­tun. Damit soll­ten sie nicht war­ten. 

Noten anfechten: so geht’s

Eine Anfech­tung für ein­fa­che Noten im Schul­jah­res­ver­lauf ist nicht mög­lich. Bei Noten­er­tei­lung im Schul­jahr soll­ten Eltern jedoch bereits  zur Doku­men­tie­rung schrift­lich anzei­gen, dass sie mit der Noten­ge­bung nicht ein­ver­stan­den sind. Die­se Ein­ga­be kommt dann in die Schul­ak­te und stellt bei spä­te­rer Anfech­tung eine Nach­voll­zieh­bar­keit her. Erst das Zeug­nis am Schul­jah­res­en­de ist dann in punk­to ver­set­zungs­re­le­van­ter Noten anfecht­bar. Dazu rei­chen Eltern einen form­lo­sen schrift­li­chen Wider­spruch bei der Schul­lei­tung ein. Einen Vor­druck zur Ein­ga­be in die Schul­ak­te fin­den Eltern unter Anga­be der E‑Mail-Adres­se hier zum kos­ten­frei­en Down­load:

PDF-Download:

“Eingabe in die Schülerakte”

Mit Ein­tra­gen Dei­ner E‑Mail-Adres­se in mei­nen News­let­ter gelangst Du zum Down­load der kos­ten­frei­en PDF.

Mit offi­zi­el­len Aus­sa­gen, die zu Hau­se erle­dig­ten schu­li­schen Auf­ga­ben dürf­ten auch ohne statt­fin­den­den Unter­richt beno­tet wer­den, ver­sto­ßen die Kul­tus­be­hör­den also gegen bestehen­des Schul­recht. Der psy­chi­sche Druck, der damit zahl­rei­chen Fami­li­en zuge­mu­tet wird, ist gegen einen post-coro­na dro­hen­den Kol­laps des Schul­sys­tems abzu­wä­gen. Nach­voll­zieh­bar. Den­noch nicht zuläs­sig

Zur Selektierfunktion der Noten

Die Bedin­gun­gen, unter denen Schü­ler ihre Auf­ga­ben zuhau­se bear­bei­ten, stim­men nicht annä­hernd über­ein. Das ist zwar weni­ger rechtlich‑, jedoch ethisch pro­ble­ma­tisch. Zur Ver­deut­li­chung vier Bei­spie­le:

Karl (13) bei­spiels­wei­se ist wäh­rend der Schul­schlie­ßun­gen gemein­sam mit sei­ner medi­ka­men­ten­süch­ti­gen Mut­ter und sei­ner andert­halb­jäh­ri­gen Schwes­ter auf 55 Qua­drat­me­ter ein­ge­pfercht.

Um die Klei­ne küm­mert er sich wei­test­ge­hend selbst. Die Schu­le als Zufluchts­ort ist ihm nun weg­ge­bro­chen, wor­un­ter er sehr lei­det. Ihm fällt zuhau­se fast die Decke auf den Kopf und bei der Erle­di­gung sei­ner Eng­lisch-Arbeits­blät­ter bekommt er kei­ner­lei Hil­fe. 

Mira (12) wohnt vier Stra­ßen wei­ter. Sie bear­bei­tet ihre Auf­ga­ben täg­lich auf der gro­ßen schö­nen Dach­ter­ras­se. Bei dem son­ni­gen Früh­lings­wet­ter bringt Papa ihr immer war­men Tee. Gemein­sam mit ihrer Mut­ti bas­telt sie für Eng­lisch eine Col­la­ge.

Auch Zoe (13) von neben­an gibt ihr Bes­tes bei ihren Auf­ga­ben. Aber in Eng­lisch kommt sie allein ein­fach nicht zurecht. Mut­ti ackert der­zeit von zuhau­se aus fast rund um die Uhr, um ihre klei­ne Fir­ma zu ret­ten. Durch Coro­na steckt die­se näm­lich in erns­ten Schwie­rig­kei­ten — eine abso­lu­te Belas­tung für die gan­ze Fami­lie. Vater muss für das jün­ge­re Geschwis­ter­kind da sein und ist selbst kein Spra­chen-Ass. Für Zoes Fern­un­ter­richt bleibt hier zuhau­se wenig Auf­merk­sam­keit und Kraft.

Die Fami­lie hat viel grö­ße­re Sor­gen. Online-Platt­for­men soll­ten Zoe eigent­lich hel­fen, aber irgend­wie funk­tio­nier­ten die heu­te nicht so recht. Die offi­zi­el­le Platt­form des Minis­te­ri­ums bricht unter den vie­len Zugrif­fen mehr­mals täg­lich zusam­men. Viel­leicht ist aber auch ein­fach das W‑Lan zuhau­se schwach, Zoe weiß es nicht so genau. 

Wie beno­ten die Leh­rer von Karl, Mira und Zoe nun deren Leis­tun­gen? Es liegt auf der Hand: die Leis­tungs­er­brin­gung der Schü­ler ist nicht ver­gleich­bar — noch weni­ger, als ohne­hin im regu­lä­ren Schul­be­trieb. Wer also soll eine Eins, wer eine Drei und wer eine Fünf bekom­men auf das, was er von zuhau­se aus ablie­fert?

Und was ist eigent­lich mit Paul (15)? Der Teen­ager hat puber­täts­be­dingt star­ke Stim­mungs­schwan­kun­gen. Er fühlt sich zuhau­se teil­wei­se rich­tig nie­der­ge­schla­gen und hat „gar kei­nen Bock“ auf sei­ne Schul­auf­ga­ben. Er sagt er „has­se Eng­lisch” und erle­digt ein­fach gar nichts von dem dicken Sta­pel, den sei­ne Eltern ihm wohl­wol­lend aus­ge­druckt haben.

Mut­ter und Vater reden ihm täg­lich ins Gewis­sen, er möge doch etwas für die Schu­le tun. Sie geben sich wirk­lich gro­ße Mühe, ihn zum Arbei­ten zu bewe­gen. „Kei­ne Schul­pflicht“ ant­wor­tet Paul nur kühl. Die Eltern wer­den sau­er. Da der häus­li­che Dau­er­streit mitt­ler­wei­le die gan­ze Fami­lie belas­tet, las­sen die Eltern es irgend­wann gut sein. Sie erken­nen an, dass es ihrem Sohn aktu­ell nicht gut geht und geste­hen ihm eine Ver­schnauf­pau­se zu.

Sie wis­sen auch, dass Zank und Streit zuhau­se in der Coro­na­zeit erst recht nicht zu gebrau­chen ist. Seit­her kehrt wie­der Frie­den ein. Paul betei­ligt sich wie­der an gemein­sa­men Mahl­zei­ten, seit er nicht mehr stän­dig ermahnt wird. Heu­te hilft er sei­nem Vater, ein Holz­re­gal für den Kel­ler zu zim­mern, damit dort mal wie­der Ord­nung rein­kommt. Paul hat Freu­de dar­an und tüf­telt kräf­tig mit.

ABER: So klar hier auch die Unge­rech­tig­keit der Lage wird — gegen gel­ten­des Recht ver­stößt dar­an gar nichts. Schul­no­ten sind weder objek­tiv noch gerecht. Deutsch­land gehört schon lan­ge zu den Län­dern, in denen der Schul­erfolg am stärks­ten von der sozia­len Her­kunft anhängt. Das ist nichts Neu­es und inzwi­schen wis­sen­schaft­lich erwie­sen. Deut­li­cher denn je tritt nun in der Coro­na­kri­se ans Tages­licht, wie unge­recht Zukunfts­chan­cen in den Bil­dungs­ein­rich­tun­gen ver­teilt wer­den. Jetzt ist ein guter Zeit­punkt, unse­ren Kin­dern end­lich am eige­nen Bei­spiel zu erklä­ren, dass ihre Noten nichts mit ihrem Wert als Mensch zu tun haben. Eltern kön­nen Kin­dern nun bes­ser denn je hel­fen, ihr Selbst­wert­ge­fühl von ihren Schul­no­ten zu ent­kop­peln. 

Anfechtung unzulässiger Benotung

Um ihren Sohn vor dem Sit­zen­blei­ben zu schüt­zen, wer­den die Eltern sämt­li­che gefähr­den­den Noten, die spä­ter für die “Lern­auf­ga­ben” erteilt wer­den, offi­zi­ell anfech­ten. Dabei wer­den sie nicht die ein­zi­gen Eltern sein. Eine regel­rech­ten Anfech­tungs­wel­le ist denk­bar. Und die­se Eltern wer­den Recht bekom­men. Die Nach­ba­rin von Pauls Fami­lie ist Anwäl­tin und nennt auf Anhieb gleich meh­re­re mög­li­che Anfech­tungs­grün­de für die unzu­läs­si­ge Bewer­tung: 

  • Leis­tungs­er­brin­gung nicht ver­gleich­bar
  • Lern­stoff nicht fach­ge­recht unter­rich­tet
  • Haus­uf­ga­ben nicht benot­bar
  • Leis­tungs­über­prü­fung nicht ver­hält­nis­mä­ßig
  • … und so wei­ter und so fort

Dann benennt sie noch ein paar ein­schlä­gi­ge Para­gra­phen aus dem Schul­ge­setz ihres Lan­des und ver­si­chert Pauls Eltern, nöti­gen­falls an ihrer Sei­te zu ste­hen.

Es ist schon schwer genug

Schau­en wir nun ein­mal genau auf die Lage, dann erken­nen wir: die Welt ist aus den Fugen gera­ten. Auch die Welt des Schul­sys­tems. Und weder Schü­ler, Eltern, Leh­rer, noch die Kul­tus­be­am­ten und ihre Vor­ge­setz­ten kön­nen etwas dafür. Um der Lage Herr zu wer­den, ver­sucht die Kul­tus-Admi­nis­tra­ti­on das Sys­tem best­mög­lich auf­recht zu erhal­ten. Sie gestat­tet ihren Leh­rern des­halb, die Auf­ga­ben wäh­rend der Schul­schlie­ßun­gen zu beno­ten. Alle hof­fen dabei, dass Eltern und Schü­ler dies so mit­ma­chen.

Vie­le Schü­ler und ihre Fami­li­en sind aber in die­ser Zeit ganz ande­ren Her­aus­for­de­run­gen aus­ge­setzt. Auch ihre Struk­tu­ren sind zer­bro­chen. Vie­le Fami­li­en sind mit dem Home­Schoo­ling über­for­dert. Ange­sichts der heu­ti­gen Auf­ge­klärt­heit und Ver­net­zungs­mög­lich­kei­ten von Eltern­häu­sern, ist also mit der Anfech­tung vie­ler erteil­ter Noten im Nach­hin­ein zu rech­nen.

Dabei bestehen die Kon­flikt­fron­ten dann nicht wirk­lich zwi­schen Eltern und Leh­rern, son­dern zwi­schen Eltern und der Kul­tus-Admi­nis­tra­ti­on. Aus­ge­tra­gen wird die­ser Kon­flikt lei­der vor­aus­sicht­lich auf dem Rücken der Leh­rer und ihrer Schü­ler. Da das vie­le Leh­rer jetzt schon kom­men sehen, machen sie kaum Gebrauch von der, in eini­gen Bun­des­län­dern ver­laut­bar­ten, Kann-Bestim­mung. Welche/r Leh­re­rIn möch­te sich denn schon nach Coro­na, wenn wie­der Sicher­heit und Nor­ma­li­tät her­ge­stellt wer­den will, mit der­ar­ti­gen Kon­flik­ten her­um­pla­gen? 

Jetzt geht es um Wichtigeres

Scho­nen wir doch bit­te alle unse­re Ner­ven. Die Lage ist ohne­hin schon schwer genug. Es braucht jetzt Lösun­gen, die kom­plett los­las­sen von dem, was ein­mal war. Der Ver­such, die alten Struk­tu­ren zu wah­ren, kos­tet uns zu viel Kraft. Natür­lich müs­sen für Absol­ven­ten stich­hal­ti­ge Lösun­gen gefun­den wer­den. Aber müs­sen wir denn wirk­lich alle Schü­ler jetzt beno­ten? Und muss jetzt wirk­lich noch „der Stoff geschafft“ wer­den?

Ist denn nicht ein ganz ande­rer Lern­ef­fekt für die Schü­ler die­ser Genera­ti­on ent­schei­dend? So vie­les gilt es jetzt auf­zu­ar­bei­ten, über­haupt erst ein­mal zu ver­ste­hen.

Damit könn­ten Leh­rer und ihre Schul­klas­sen in der ver­blei­ben­den Schul­zeit begin­nen. Wer könn­te das bes­ser als sie?

Die­ses Ereig­nis der Mensch­heit mit­er­lebt zu haben, wird das Leben die­ser Kin­der und Jugend­li­chen nach­hal­ti­ger prä­gen, als das Zeug­nis, wel­ches in die­sem Schul­jahr aus­ge­stellt wird.

Vor die­sem Hin­ter­grund öff­nen wir uns doch für Ideen außer­halb der alten Struk­tu­ren. Bestimmt las­sen sich in der Admi­nis­tra­ti­on auch ver­nünf­ti­ge Lösun­gen fin­den, die nicht auf dem Rücken der Fami­li­en und Leh­rer las­ten.

Gemeinsam improvisieren 

Durch güt­li­che Eini­gung müs­sen Lösun­gen für alle Betei­lig­ten gefun­den wer­den. Zuerst für die Kin­der. Die­se Lösun­gen müs­sen daher maxi­mal ent­las­tend für die Fami­li­en sein. Leh­rer wer­den Lösun­gen fin­den, den­noch Zeug­nis­se aus­zu­stel­len. Dabei soll­te Kul­tus sie mit kon­kre­ten Lösungs­an­sät­zen unter­stüt­zen.

Damit den Leh­rern und Schul­lei­tern bei der Ertei­lung der Zeug­nis­se mög­lichst kei­ne Eltern ‘aufs Dach stei­gen’, die Zeug­nis­se anfech­ten, damit Schul­lei­tun­gen die Klas­sen­zu­sam­men­stel­lun­gen für das kom­men­de Schul­jahr ver­läss­lich pla­nen kön­nen, muss auf die Beno­tung gänz­lich ver­zich­tet wer­den. Ich lade alle Kul­tus­mi­nis­ter ein, dies ihren Schul­lei­tern und Leh­rern zu sagen. Davon abge­se­hen kann natür­lich auch jeder Leh­rer selbst auf die Beno­tung ver­zich­ten. Es geht dar­um, uns gegen­sei­tig in die­ser Pha­se zu unter­stüt­zen — auf die mensch­lichs­te mög­li­che Art und Wei­se.

Alles Gute für die Zukunft.

Mar­cell Hein­rich

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18 Kommentare zu
Aufklärung: HomeSchooling-Noten ungültig

  1. Stefan W. sagt:

    Hal­lo Herr Hein­rich,

    die Dia­gno­se ist der Schu­le unmit­tel­bar mit­ge­teilt und belegt wor­den.

    Vie­le Grü­ße

    Ste­fan W.

  2. Stefan W. sagt:

    Hal­lo Herr Hein­rich,

    vie­len Dank für den sehr inter­es­san­ten Blog.
    Bei mei­nem Sohn (mitt­ler­wei­le 18, Q1 an einer Gesamt­schu­le) wur­de im Früh­jahr 2019 eine mit­tel­schwe­re Depres­si­on dia­gnos­ti­ziert, deren maß­geb­li­che Aus­prä­gung das Schul­schwän­zen war. Ein Schul­ab­bruch war zum Halb­jah­res­en­de Janu­ar 2020 ange­dacht, sein The­ra­peut hat­te ihm aber hier­von abge­ra­ten, da er zunächst kei­ne Alter­na­ti­ve hat­te und die Tages­struk­tur mit dem Schul­be­such als The­ra­pie­form nut­zen soll­te. Er soll­te laut The­ra­peut mor­gens auf­ste­hen, zur Schu­le gehen ohne Leis­tungs­druck. Dies soll­te auch zur Vor­be­rei­tung die­nen, um ggfls. das Jahr zu wie­der­ho­len. Dann kam Coro­na und der Plan war pul­ve­ri­siert … . Es ging ihm dann auch schlech­ter, weil auch Sozi­al­kon­tak­te kaum mög­lich waren. Die Arbei­ten im home­schoo­ling hat er nur spo­ra­disch bear­bei­tet, zum Prä­senz­un­ter­richt ist er dann gegan­gen, aber auch nicht ganz kon­se­quent.
    Jetzt kam das Zeug­nis und in 5 Fächern ist die Note zum Teil um zwei Noten­stu­fen ver­schlech­tert, in zwei Fächer wird ihm ein “unge­nü­gend” tes­tiert. Ich war ehr­lich ent­setzt. Wir haben zusam­men ent­schie­den, hier­ge­gen Wider­spruch ein­zu­le­gen, da doch eigent­lich durch Coro­na kei­ne Ver­schlech­te­rung erfol­gen soll­te. Nicht das Sie mich falsch ver­ste­hen, das Klas­sen­ziel hät­te er ohne­hin nicht erreicht, aber die­se Vor­ge­hens­wei­se vor dem Hin­ter­grund sei­ner Erkran­kung und der Coro­na­si­tua­ti­on emfin­de ich schon als demü­ti­gend.

    Vie­len Dank für Ihr Enga­ge­ment und vie­le Grü­ße

    Ste­fan

    • Marcell Heinrich sagt:

      Hal­lo Ste­fan,

      dan­ke für Ihre offe­nen Ein­bli­cke. Die Demü­ti­gung, die Sie emp­fin­den, ist nach­voll­zieh­bar. Ist denn die Dia­gno­se in der Schu­le bekannt? Mein Team und ich wün­schen Ihnen gutes Gelin­gen bei Ihrem Wider­spruch und alles Gute für Ihren Sohn.
      Mar­cell

  3. Christiane S. sagt:

    Hal­lo,
    ich fin­de den Arti­kel und die Infor­ma­tio­nen rund um das Home­schoo­ling sehr Inter­es­sant. Ich habe mir schon den Vor­druck zur Anfech­tung der Schul­no­ten aus­ge­druckt.
    Es wur­de bis­her mit­ge­teilt, das die bestehen­den Noten seit dem Zwi­schen­zeug­nis vom Febru­ar sich nicht ver­schlech­tern soll­ten, eher durch die Haus­auf­ga­ben­be­ar­bei­tung zu Hau­se ‚ver­bes­sern.
    Es lie­gen ziem­lich genau 6 Wochen zwi­schen letz­ter Zeug­nis Ver­ga­be und Lock Down im März.
    Mein Sohn hat sich in 2 Fächern um eine Note ver­schlech­tert, laut jet­zi­gem Zeug­nis. Davon ist eins ein Haupt­fach.
    Sol­len jetzt die 6 Wochen als Grund­la­ge zur Ver­schlech­te­rung die­nen?
    Wir hat­ten auch zu Hau­se das Pro­blem, das ich wei­ter Voll­zeit gear­bei­tet habe und mein Sohn für min­des­tens 6 Stun­den am Tag allei­ne klar kom­men muß­te, mit 10 Jah­ren. Wir haben es dann irgend­wann geschafft , uns in die­ses Home­schoo­ling-Pro­gramm der Schu­le anzu­mel­den . Haus­auf­ga­ben konn­ten auch nicht alle erle­digt wer­den, da es teil­wei­se The­men gab, die so vor­her im Unter­richt noch nicht bespro­chen waren. Die Kin­der soll­ten am PC oder Lap­top die Infor­ma­tio­nen von ver­schie­de­nen Platt­for­men selbst erar­bei­ten.
    In dem Prä­senz-Unter­richt, der spä­ter ein­mal die Woche für 3 Stun­den statt­fand, konn­ten dann die gemach­ten Auf­ga­ben und Werk­stü­cke kaum bespro­chen wer­den. Rück­mel­dun­gen oder viel­leicht ein Lob des Klas­sen­leh­rers waren eher sel­ten. Es soll­te nur Unter­richt in den drei Haupt­fä­chern statt fin­den. Es muss­ten immer alle Bücher mit­ge­schleppt wer­den, da vor Coro­na Lock Down die Bücher nach Hau­se geholt wer­den muss­ten!
    Es war dem Klas­sen­leh­rer nicht möglich,einen Tag vor dem Unterricht,über die Schul­platt­form (Teams) mit­zu­tei­len, wel­cher Unter­richt am nächs­ten Tag nun wirk­lich in wel­chem Fach statt fin­den soll­te.
    Als ich dann hör­te, das die Kin­der in einer von die­sen Prä­senz-Unter­richts­stun­den “ganz tol­le Musik,Beats mit dem Mund” mit einem Leh­rer gemacht hat­ten, hat­te ich kaum noch Ver­ständ­nis.
    Auf Nach­fra­gen ‚wor­aus sich die Beno­tung im Zusam­men­hang mit Haus­auf­ga­ben zusam­men stellt, bekam ich dann die Ant­wort, das zwar kei­ne Beno­tung statt fin­det, es sich aber Posi­tiv im Gan­zen aus­wirkt!
    Trotz­dem hat­te das Kind ein schlech­te­res Zeug­nis.
    Ich bin echt Sau­er.
    Wir haben uns zu Hau­se soviel Mühe gege­ben, wenigs­tens in den Haupt­fä­chern einen gro­ßen Teil zu schaf­fen.
    Des­we­gen möch­te ich nun das Zeug­nis anfech­ten.
    Man hat­te den Kin­dern gesagt, das sich die Eltern nach den Feri­en bei Unstim­mig­kei­ten beim Zeug­nis mel­den soll­ten.
    Soll ich das Schrei­ben zur Anfech­tung trotz­dem schon mal auf den Weg brin­gen oder erst noch mal das Gespräch nach den Feri­en suchen?

    • Marcell Heinrich sagt:

      Lie­be Chris­tia­ne,

      Ihre Situa­ti­on ähnelt der von vie­len tau­sen­den Haus­hal­ten in Deutsch­land. Das ist mitt­ler­wei­le glück­li­cher­wei­se auch medi­al publik. Zu Ihren Fra­gen — soweit ich Sie rich­tig ver­stan­den habe: nicht erteil­te Noten kön­nen Sie nicht “her­bei­fech­ten”. Sie kön­nen um frei­wil­li­ge Beno­tung zur Ver­bes­se­rung bit­ten. Die Ent­schei­dung liegt beim Leh­rer. Erteil­te Zeug­nis­no­ten kön­nen Sie anfech­ten, wenn sie erteilt wur­den. Auf­grund Ihrer Anfech­tung ist dann das recht­mä­ßi­ge Zustan­de­kom­men der Zeug­nis­no­te aus den Ein­zel­leis­tun­gen im Schul­jahr zu über­prü­fen. Und dort ist dann die Stel­le, an der es für alle Betei­lig­ten hilf­reich sein wird, wenn in der Schü­ler­ak­te bereits durch schrift­li­che Ein­ga­ben sei­tens der Eltern pro­to­kol­liert ist, wel­che Ein­zel­no­ten denn angeb­lich nicht den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen zur Noten­er­tei­lung genü­gen. Durch eine jet­zi­ge Ein­ga­be — zum Bei­spiel anhand des ange­bo­te­nen PDFs im Arti­kel oder ander­wei­tig — bekommt also ihre spä­te­re Zeug­nis­an­fech­tung “Hand und Fuß”. Ein Hin­weis noch: dies ist ledig­lich mei­ne Sicht­wei­se. Ich bin kein Anwalt. Für rechts­si­che­re Bera­tung fra­gen Sie bit­te einen. Gutes Gelin­gen und hal­ten Sie mich gern auf dem Lau­fen­den. Mar­cell Hein­rich

  4. winni sagt:

    mein sohn (gym­na­si­um) hat in einem schul­fach in die­sem halb­jahr noch kei­ne note erhalten.im ers­ten halb­jahr ergibt der durch­schnitt in die­sem besag­tem unter­richts­fach eine 4,2 .jetzt hat er “spo­ra­disch” unter­richt und eine klas­sen­ar­beit steht an. laut sei­ner fach­leh­re­rin ist die­se note aus­schlag­ge­bend für ein mög­li­ches “sit­zen­blei­ben”. der stoff für die­se klas­sen­ar­beit wur­de in der lock­down-zeit von den schü­lern selbst erar­bei­tet und nicht als gewöhn­li­chen unter­richts­stoff ver­mit­telt. mei­ne fra­ge nun: was ist,wenn mein sohn die­sen test nicht besteht? soll­te wirk­lich die­se eine beno­tung für das gesam­te halb­jahr aus­rei­chen? er hat kei­ne chan­ce etwa mit müd­li­chen vor­trä­gen ö.ä. die note zu verbessern,weil die unter­richts­zeit fehlt dafür. ich fin­de, eine note ist kei­ne bemes­sungs­grund­la­ge.

    • Marcell Heinrich sagt:

      Hal­lo Win­ni,

      So, wie Sie das beschrei­ben, trifft auf die Situa­ti­on Ihres Soh­nes genau die­ser Arti­kel zu. Im Arti­kel beschrei­be ich, dass solch eine Beno­tung von nicht-unter­rich­te­ten Lern­in­hal­ten nicht die Vor­aus­set­zun­gen zur Beno­tung erfüllt und damit ungül­tig ist. Für recht­li­che Bera­tung fra­gen Sie bit­te einen Anwalt. Der Arti­kel ist ja nun schon eini­ge Wochen alt. Inzwi­schen haben meh­re­re Kul­tus­mi­nis­ter öffent­lich geäu­ßert, dass kein Schü­ler lock­down-bedingt “sit­zen­bleibt”. Daher über­rascht mich das Vor­ge­hen an Ihrer Schu­le. Dan­ke, dass Sie das hier kund­tun. Nur Mut, schüt­zen Sie Ihren Sohn. Alles Gute für die Zukunft.
      Mar­cell

  5. Robert Tiede sagt:

    Dan­ke.
    Gruß Robert Tie­de

  6. JuLe sagt:

    Ich bin sel­ber Leh­re­rin und strei­te mich regel­mä­ßig mit Kol­le­gen weil ich der Mei­nung bin, dass Haus­auf­ga­ben nicht bewert­bar sind. Wo gibt es da recht­li­che Grund­la­gen? Im Ham­bur­ger Schul­ge­setz bleibt es schwam­mig und gera­de Ham­burg gibt jetzt auch in Coro­na Zei­ten durch­gän­gig Noten. Auch bei uns an der Schu­le wird getan, als sei nichts. Über Hin­wei­se zu Para­gra­phen wäre ich dank­bar.

    • Marcell Heinrich sagt:

      Lie­be Jule,

      dan­ke für dei­ne Nach­fra­ge. Bit­te hab Ver­ständ­nis, dass ich nicht recht­lich bera­ten kann und darf. Im Arti­kel ist im Abschnitt “Die recht­li­che Sicht” eine Anwalts­kanz­lei ver­linkt, die sich damit bes­tens aus­kennt und dir kon­kret wei­ter­hel­fen kann. Alles Gute für die Zukunft. Mar­cell

  7. Gabriele Franze sagt:

    Hal­lo, sie gehen lei­der nicht dar­auf ein, wie es mit der Beno­tung von im Fern­un­ter­richt ver­mit­tel­ten Unter­richts­soff nach der Schul­schlie­ßung sprich Leis­tungs­nach­wei­sen in den kom­men­den Prä­senz­pha­sen steht. Unse­re Leh­rer haben ange­kün­digt nach den Pfingst­fe­ri­en rei­hen­wei­se noch sol­che zu erhe­ben (obwohl unser Kul­tus­mi­nis­ter in Bay­ern fol­gen­des geschei­ben hat:
    ” … umso wich­ti­ger ist es mir, dass wir unse­ren Schü­le­rin­nen und Schü­lern nun eine Pha­se des Ankom­mens ermög­li­chen. Dazu gehört auch, dass bis zum Schul­jah­res­en­de in aller Regel kei­ne
    ver­pflich­ten­den Leis­tungs­nach­wei­se mehr statt­fin­den. Die Noten für das Jah­res­zeug­nis wer­den grund­sätz­lich auf Basis der bis­her erbrach­ten Leis­tungs­nach­wei­se gebil­det. Nur in weni­gen Aus­nah­me­fäl­len kann die Durch­füh­rung von Leis­tungs­nach­wei­sen zur Bil­dung der Jah­res­fort­gangs­no­te noch erfor­der­lich sein.”
    Unse­rer Mei­nung nach haben unse­re Leh­rer vali­de Noten aus dem Zwi­schen­zeug­nis und wir befürch­ten eine Ver­schlech­te­rung fürs Jah­res­zeug­nis, das aus­ge­rech­net das Bewer­bungs­zeug­nis der 9ten Klas­se Real­schu­le ist.
    Kön­nen Sie dazu noch etwas sagen? Dan­ke.

    VG
    Gabrie­le F.

    • Marcell Heinrich sagt:

      Lie­be Gabrie­le,

      Der Arti­kel stammt aus der Lock­down-Zeit, ich wer­de ihn bald­mög­lichst aktua­li­sie­ren. In Kür­ze für Sie: die Rechts­la­ge bleibt die glei­che. Auch jetzt, bei teil­wei­sem Unter­richt, sind Zen­su­ren — bis auf die benann­ten Ein­zel­aus­nah­men — nur zeug­nis­re­le­vant, wenn sie im Schul­un­ter­richt erbracht wer­den und die geprüf­ten Leis­tun­gen auch gänz­lich auf erteil­tem Unter­richt beru­hen. Zuhauseler­nen ist nach wie vor in Deutsch­land KEIN Unter­richt. Zuhau­se erbrach­te Leis­tun­gen sind Haus­auf­ga­ben. Für kon­kre­te Bera­tung wen­den Sie sich bit­te an einen Anwalt. Ich freue mich über die Aus­sa­ge Ihres Kul­tus­mi­nis­ters. Genau­so kann es auch aus mei­ner Sicht gelin­gen. Ich emp­feh­le zudem noch die frei­wil­li­ge Beno­tung, wenn zB. Schü­ler ihre Note in einem Fach gezielt noch ver­bes­sern wol­len. Alles Gute für Sie und Ihr Kind. Mar­cell Hein­rich

  8. Svenja aus Reutlingen sagt:

    Gut, dass das mal jemand trans­pa­rent macht. In die­sen Zei­ten neigt man ja dazu, alles, was ange­ord­net wird, ein­fach unge­fragt hin­zu­neh­men. Lan­ger, aber sehr aus­führ­li­cher und fun­dier­ter Arti­kel. Hat mir Wege auf­ge­zeigt und irgend­wie auch Mut gemacht.

  9. Eine Lehrerin sagt:

    Wie­so schrei­ben Sie so etwas? Vie­len Schü­lern von mir tut die Beno­tung gut. Sie wol­len sogar Noten auf ihre Lern­auf­ga­ben bekom­men. Da braucht man doch nicht von Ungül­tig­keit zu spre­chen. Freund­li­che Grü­ße

    • Annika F. sagt:

      Sehr geehr­te Kol­le­gin,
      so wie ich es ver­ste­he, schreibt Herr Hein­rich das, weil die Beno­tung rechts­wid­rig ist. Über Geset­ze zu auf­zu­klä­ren, ist doch kein Grau­be­reich, in dem es irgend­wel­che päd­ago­gi­sche Frei­heit gäbe. Wir Kön­nen doch nicht ernst­haft wol­len, dass den Schü­lern und Eltern bloß nie­mand die Geset­ze ver­rät. Ich glau­be die Behör­den sind der­zeit selbst etwas über­for­dert. Wir Leh­rer doch auch. Die Tipps in die­sem Arti­kel zei­gen wirk­lich gut, wie wir es gemein­sam auf die Rei­he krie­gen kön­nen mit die­sem merk­wür­di­gen Schul­jahr. Und für Ihre Schü­ler, die sich Noten selbst wün­schen, steht doch der Weg der frei­wil­li­gen Beno­tung offen. Das ver­letzt nie­man­des Rech­te und kei­ner wird dage­gen Beschwer­de ein­le­gen. Vie­le Grü­ße aus der Lau­sitz

  10. Bernd sagt:

    Na klar, ohne Noten wür­den die Schü­ler doch zuhau­se nur fau­len­zen oder Com­pu­ter spie­len. Vie­le haben doch gar kei­ne Lust auf die Schul­auf­ga­ben. Noten sind doch hier das ein­zi­ge Druck­mit­tel. Das Leben ist nun­mal kein Pony­hof. Eher Zwang und Pflicht. So wird es im Job spä­ter aus­se­hen. Damit sie dort über­haupt eine Chan­ce haben, müs­sen sie nun­mal durch Noten den Zwang ein­üben. Zuhau­se beim Home­Schoo­ling darf man da jetzt über­haupt kei­ne Luft ran­las­sen. Mei­ne Mei­nung!

    • A. Schubert sagt:

      Hal­lo Bernd,
      das Bild vom Men­schen und vom Arbei­ten, das Sie hier zeich­nen, hat in frü­he­ren Zei­ten gestimmt, ist aber inzwi­schen ver­al­tet. Mit dem Ler­nen und dem spä­te­ren Berufs­le­ben unse­rer heu­ti­gen Schü­ler hat das nur noch wenig zu tun. Vor allem Eigen­an­trieb und Wol­len zählt heu­te. Und mor­gen erst recht. Das ist es, was die Schü­ler jetzt zuhau­se ein­üben müss­ten. Hoch­ach­tungs­voll. Schu­bert

    • Anita Hüning sagt:

      Lie­ber Bernd, ich bin auch Päd­ago­gin und habe eine Toch­ter.. Ihr fällt es sehr schwer Haus­auf­ga­ben selbst­stän­dig zu erle­di­gen! Sie hat eine Recht­schreib­schwä­che. Ich muss arbei­ten gehen, sie muss zu Hau­se blei­ben, weil ihr Papa mehr­fa­cher Risi­ko­grup­pe ist. Er kann sie nicht unter­stüt­zen. Kön­nen sie sich vor­stel­len, was das für uns als Fami­lie bedeu­tet? Haben Sie Kin­der? Viel­leicht erst nach­den­ken, bevor man so einen Arti­kel ver­fasst.…

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