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Was Kinderfreundschaften bedeuten - Marcell Heinrich

Sandkastenfreunde

Was die frühen Freundschaften für Dein Kind bedeuten

Lesezeit: 03:00 Min.

Für Kin­der sind lang­jäh­ri­ge Freund­schaf­ten uner­setz­bar. Sie stär­ken sie für’s gan­ze Leben. Häu­fig bre­chen sie an Über­gangs­mo­men­ten aber ab — zum Bei­spiel wenn Kin­der die Betreu­ungs­ein­rich­tung wech­seln oder vom Kin­der­gar­ten in die Schu­le kom­men. Das muss nicht so sein. Eltern kön­nen die wert­vol­len Kin­der­gar­ten-Freund­schaf­ten aber bewah­ren. Lang­jäh­ri­ge Bezie­hun­gen stär­ken näm­lich das Urver­trau­en und erleich­tern den Umgang mit Ver­än­de­run­gen im spä­te­ren Leben. Mit Bezie­hungs­ab­brü­chen geht man des­halb bes­ser spar­sam um. Die­ser Arti­kel soll Eltern anre­gen, in den Erhalt frü­her Freund­schaf­ten zu inves­tie­ren.

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Ganz dicke Tin­te. Franz und Luca sind enge Kin­der­gar­ten-Freun­de. Jeden Tag  spie­len sie zusam­men, bau­en Tür­me, spie­len Strei­che, rau­fen sich und lachen zusam­men. Gele­gent­lich über­nach­ten sie beim Ande­ren und ver­mis­sen ein­an­der, wenn einer von bei­den ver­reist oder krank ist. Wer die bei­den zusam­men erlebt, bereift schnell, wie­viel sie ein­an­der bedeu­ten. Eines Tages endet dann die Kin­der­gar­ten­zeit. Bei­de wer­den stol­ze Schul­kin­der — aller­dings in ver­schie­de­nen Schu­len der Stadt.

Franz ver­misst sei­nen Freund sehr stark. Jedes­mal, wenn Mamas Tele­fon klin­gelt, rennt er hin und hofft, dass sein Freund Luca anruft. Nur zu gern wür­de er Luca wie­der ein­mal zur Über­nach­tung ein­la­den, ihn besu­chen oder sonn­tags im Park tref­fen.

Franz’ Mama ver­sucht das auch zu ermög­li­chen. Doch Lucas Mama ruft seit dem Ende der Kin­der­gar­ten­zeit nicht mehr wirk­lich zurück. Mit der Zeit ver­stum­men die Ver­su­che. Die Freund­schaft endet zwangs­läu­fig. 

Zack, Pflaster ab?! — Die Eltern meinen es nur gut.

Lucas Eltern sind nicht etwa nach­läs­sig. Sie ver­hal­ten sich ganz bewusst so.  Sie wol­len das Bes­te für ihr Kind und glau­ben, es könn­te mög­li­cher­wei­se nach­tei­lig für ihren Sohn sein, sei­nen Kin­der­gar­ten­freund wei­ter­hin zu tref­fen. Ihnen gehen Gedan­ken durch den Kopf wie die­se:

  • Viel­leicht hät­te er dann Schwie­rig­kei­ten, den alten Lebens­ab­schnitt abzu­schlie­ßen?
  • Viel­leicht leb­te er sich dann weni­ger leicht in das neue Umfeld ein?
  • Mög­li­cher­wei­se knüpft er dann kei­ne neu­en Freund­schaf­ten in der Schu­le?

Und auch fra­gen sie sich:

Soll­te er im Alter von 6–7 Jah­ren nicht auch lang­sam ler­nen los­zu­las­sen um nach vorn zu bli­cken?

Die Inten­ti­on von Lucas Mut­ter ist gut: sie will ihrem Kind einen guten Start im neu­en Umfeld ermög­li­chen. Aller­dings geht sie dabei einem Miss­ver­ständ­nis auf den Leim. Sie ver­wech­selt das sozia­le Netz ihres Kin­des mit dem eines Erwach­se­nen — viel­leicht ihrem eige­nen. Erwach­se­ne sind meist recht aus­ge­las­tet. Zeit ist knapp und der Tag hat nur 24 Stun­den. Man wählt sorg­sam aus, wem man Zeit wid­met. Sozia­le Kon­tak­te wer­den selek­tiert, denn man hat — je nach Per­sön­lich­keits­typ — nur Kapa­zi­tät für eine sehr begrenz­te Anzahl an Men­schen. Ganz ähn­lich wie bei einem Klei­der­schrank: Wenn Lucas Mama sich ein neu­es Kleid in den vol­len Klei­der­schrank hän­gen möch­te, dann ist dar­in mög­li­cher­wei­se nicht mehr genug Platz. So vie­le Klei­der hän­gen bereits dar­in, dass erst eini­ge alte aus­sor­tiert wer­den müs­sen, bis ein neu­es Kleid Platz hat. 

Bei Kin­dern funk­tio­niert das jedoch gänz­lich anders. Wenn sie die Ein­rich­tung wech­seln oder in die Schu­le kom­men, dann ver­ste­hen Kin­der die neue Lebens­pha­se voll und ganz. Jedoch voll­zie­hen sie den Über­gang weni­ger auf kogni­ti­ve Wei­se. Dies geschieht ganz selbst­ver­ständ­lich über ihren Kör­per, auf dem Schul­weg, durch neue Ritua­le und Orte. Kin­der leben stets im Moment. Sie pfle­gen kei­nen Meta­blick auf ihr Leben. Sie leben im Hier und Jetzt und spie­len mit den Men­schen, die eben gera­de anzu­tref­fen sind. Wenn sie aber Freun­de ver­mis­sen, dann erken­nen wir dar­an, dass gewis­se Bezie­hun­gen eine beson­de­re Tie­fe erreicht haben. Die­se Tie­fe ist von gro­ßer Bedeu­tung für Ihr Kind. Sie ver­hin­dert kei­ne neu­en Bezie­hun­gen, son­dern begüns­tigt die­se sogar. Das Herz eines Kin­des ist nicht begrenzt wie ein Klei­der­schrank. Es ist unend­lich groß. Dar­in ist viel, viel Platz — für vie­le, vie­le Freund­schaf­ten. Freun­de behal­ten und neue dazu gewin­nen ist kein Wider­spruch, son­dern klappt wun­der­bar. 

Kinder brauchen also keine Beziehungsabbrüche.

Ganz und gar nicht. Es ist auch unnö­tig, sie künst­lich her­bei­zu­füh­ren. Im Gegen­teil — wenn Freund­schaf­ten lang­fris­tig bestehen, dann stärkt das die Bin­dungs­fä­hig­keit. Damit klappt’s auch leich­ter mit dem Knüp­fen neu­er Freund­schaf­ten. Auch mit Ver­än­de­run­gen und Kri­sen gehen Kin­der leich­ter um, wenn sta­bi­le Kon­stan­ten erhal­ten blei­ben. Und dazu gehö­ren nicht nur Mut­ter und Vater.

Gut ver­deut­li­chen lässt sich dies am Bei­spiel von Schei­dungs­kin­dern: ganz ehr­lich, wür­den Sie von einem Schei­dungs­kind ver­lan­gen, auf ein Eltern­teil zu ver­zich­ten, damit es die Tren­nung der Eltern begreift? Wir alle wis­sen doch, dass Kin­der sol­che Tren­nun­gen umso bes­ser ver­kraf­ten, je har­mo­ni­scher und sta­bi­ler die Bezie­hun­gen zu bei­den Eltern­tei­len blei­ben.

Auch Wohn­ort­wech­sel und spä­te­re neue Part­ner der Eltern­tei­le kön­nen leich­ter inte­griert wer­den, wenn ein star­kes Band zu Mama und Papa bestehen bleibt.

So ähnlich ist es auch mit bedeutenden Freunden.

Ganz ähn­lich ver­hält es sich bei den tie­fen Freund­schaf­ten. Sie geben Sta­bi­li­tät und eine inne­re Hei­mat. Je mehr zwi­schen­mensch­li­che Ste­tig­keit Kin­der aus frü­hen Pha­sen behal­ten kön­nen, je mehr Din­ge “gleich blei­ben”, wäh­rend sich drum her­um alles mög­li­che ver­än­dert, des­to ver­trau­ens­vol­ler und selbst­si­che­rer kön­nen sie neue Situa­tio­nen im Leben hand­ha­ben. Wenn etwa nach dem Schul­an­fang alles neu ist, dann wirkt es beru­hi­gend, an einem Nach­mit­tag in der Woche den “guten alten” Kin­der­gar­ten­freund zu tref­fen und die gewohn­ten Spie­le gemein­sam zu erle­ben. Bezie­hungs­ab­brü­che in der Kind­heit sind sogar kon­tra­pro­duk­tiv. Ver­lus­te ent­ste­hen von ganz allein im Leben, dafür brau­chen wir nicht noch extra nach­zu­hel­fen. Wer das Bes­te für sein Kind will, ver­mei­det sie bes­ser und inves­tiert wäh­rend der begin­nen­den Schul­zeit auch in den Erhalt der tie­fen Freund­schaf­ten aus dem Kin­der­gar­ten. Dann kön­nen die­se mit­un­ter sehr lan­ge fort­be­stehen.


Impuls für Eltern: Haltet den Kontakt!

Eltern kön­nen und soll­ten solch tie­fe Freund­schaf­ten ihrer Kin­der mög­lichst lan­ge erhal­ten — auch über meh­re­re Lebens­pha­sen hin­weg. Ein­fach die Tele­fon­num­mer der Freundes­el­tern ein­spei­chern, immer mal anru­fen, die Freun­de zum Geburts­tag ein­la­den, sie zum Spie­len besu­chen, ein­an­der erzäh­len wie es in der neu­en Ein­rich­tung oder in der Schu­le ist. Sol­che Klei­nig­kei­ten kos­ten Eltern ein gerin­ges, aber dau­er­haf­tes Enga­ge­ment. Sie sind unge­mein wert­voll für Ihr Kind und auf lan­ge Sicht uner­setz­lich.

Die­ser Song von der Band ‘Dei­ne Freun­de’ bringt das auf den Punkt und geht unter die Haut. Song bei Spo­ti­fy / Song bei Apple Music

Fazit

Die inne­re Welt von Kin­dern kön­nen wir Erwach­se­nen nicht so gut mit unse­rer Erwach­se­nen­lo­gik, son­dern am bes­ten mit dem Her­zen ver­ste­hen — indem wir uns in sie ein­füh­len und ihren Erleb­nis­ho­ri­zont zu erah­nen ver­su­chen.  

Ich wün­sche Ihnen und Ihrer Fami­lie alles Gute für die Zukunft.

Ihr

Mar­cell Hein­rich

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