Marcell Heinrich

Geben wir unserem Nachwuchs
Wurzeln & Flügel!

Die Eingewöhnung im Kindergarten

Eltern-Tipps für einen sanften Übergang

Lesezeit: 04:00 Min.

Die ers­ten Tage im Kin­der­gar­ten sind etwas Beson­de­res – für alle Betei­lig­ten, aber vor allem für Ihr Kind. Damit es sich schnell ein­le­ben und bald in der neu­en Situa­ti­on wohl­füh­len kann, ist eine sen­si­ble Ein­ge­wöh­nung zu Beginn unver­zicht­bar. Die­ser Arti­kel zeigt Ihnen auf, wie sie die­se Pha­se des Über­gangs mög­lichst posi­tiv für Ihr Kind gestal­ten und wel­chen Bei­trag Sie als Eltern dafür leis­ten kön­nen.

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Grund­sätz­lich gibt es für die Ein­ge­wöh­nungs­pha­se eines Kin­des im Kin­der­gar­ten kein Patent­re­zept, denn jedes Kind hat indi­vi­du­el­le Bedürf­nis­se, Gewohn­hei­ten, Vor­lie­ben und Abnei­gun­gen. Immer jedoch geht es in die­ser Zeit dar­um, ein Gleich­ge­wicht zwi­schen der neu­en Umge­bung und den Ablö­sungs­etap­pen zwi­schen Kind und Eltern­teil zu fin­den. Die Ein­ge­wöh­nung ist damit ein drei­sei­ti­ges Unter­fan­gen: Kind, Eltern­teil und Kin­der­gar­ten­fach­kraft sind glei­cher­ma­ßen dar­an betei­ligt. Eine enge und ste­ti­ge Abstim­mung zwi­schen Päd­ago­gen und Eltern im Sin­ne des Kin­des soll­te die Basis für einen gelin­gen­den Über­gang in den Kin­der­gar­ten sein.

Nur die Ruhe!

Eine Ein­ge­wöh­nungs­pha­se braucht Zeit. Sie darf gut und gern zwei bis drei Wochen dau­ern — hin und wie­der auch län­ger. Ver­schaf­fen Sie sich also beruf­lich aus­rei­chend freie Tage  dafür. 

Neh­men Sie sich aus­rei­chend Urlaub für die Ein­ge­wöh­nung. Es ist kon­tra­pro­duk­tiv, wenn in einer gut lau­fen­den Ein­ge­wöh­nung plötz­lich Druck ent­steht. Selbst wenn Ihr Kind ’nur’ den Kin­der­gar­ten wech­selt, soll­ten Sie sich eben­falls Zeit für eine Ein­ge­wöh­nung neh­men, ganz unab­hän­gig vom Alter des Kin­des aber ori­en­tiert an sei­nem Bedürf­nis.

Ganz wich­tig: wäh­len Sie eine Ein­rich­tung aus, in der die Bedürf­nis­se der Kin­der an obers­ter Stel­le ste­hen. Das soge­nann­te „Ber­li­ner Modell“ zum Bei­spiel ist ein, am Kind und des­sen Bedürf­nis­sen ori­en­tier­tes, Kon­zept zur Ein­ge­wöh­nung. Ein­rich­tun­gen, die nach die­sem Modell arbei­ten, legen Wert auf eine behut­sa­me Ein­ge­wöh­nung in dem Zeit­rah­men, der dem Kind gut tut um anzu­kom­men und sich von den Eltern zu lösen. Mehr dazu gibt es hier

Was ist vor der Eingewöhnung wichtig?

Mama und Papa kön­nen eine Men­ge zum guten Start in die Kin­der­gar­ten­pha­se bei­tra­gen: Im Vor­feld der Ein­ge­wöh­nung Ihres Kin­des in den Kin­der­gar­ten ist es wich­tig, bereits mit den Erzie­hern in den Kon­takt zu tre­ten. Per­sön­li­che Gesprä­che über Ihr Kind kön­nen eine gute Basis für ein har­mo­ni­sches Zusam­men­wir­ken zwi­schen dem Kin­der­gar­ten und Ihnen als Eltern sein. Spre­chen Sie also schon im Vor­feld ein­mal dar­über, was Ihr Kind liebt, wo es gera­de steht, wie es beschaf­fen ist.

Sie sind ein Team, nicht Kun­de und Dienst­leis­ter!

Spre­chen Sie das Vor­ge­hen der Ein­ge­wöh­nung mög­lichst genau mit den Päd­ago­gen ab. Zie­hen Sie gemein­sam an einem Strang!

Idea­ler­wei­se stim­men Sie auch den Ein­ge­wöh­nungs­zeit­punkt gut mit dem Kin­der­gar­ten ab. So kann die Bezugs­per­son sicher­stel­len, in die­ser Anfangs­pha­se mög­lichst durch­ge­hend anwe­send zu sein. Spre­chen Sie auch das Vor­ge­hen der Ein­ge­wöh­nung mög­lichst genau mit den Päd­ago­gen ab. Wenn etwas unklar ist, fra­gen Sie nach. So haben alle mehr Sicher­heit vor dem Start!

Wie kann ich mein Kind zuhause vorbereiten?

Am wich­tigs­ten ist, dass Sie Ihrem Kind die Sicher­heit geben, die es für den Über­gang braucht. Sicher­heit kann es zum Bei­spiel dadurch erhal­ten, indem Sie im Vor­feld mit Ihrem Kind über den bevor­ste­hen­den Start in die Kin­der­gar­ten­zeit spre­chen. Erzäh­len Sie Ihrem Kind, wie ein Kin­der­gar­ten­tag aus­sieht, lesen Sie ihm Bücher über Kin­der vor, die in den Kin­der­gar­ten kom­men. Schlen­dern Sie ein­fach mal zusam­men an der Ein­rich­tung vor­bei. So bekommt Ihr Kind schon eine Vor­stel­lung davon, was es dort erwar­tet. 

Ein Brief­wech­sel mit der zukünf­ti­gen Kin­der­gar­ten­grup­pe lässt im Vor­feld ein per­sön­li­ches Band zu den Päd­ago­gen und Kin­dern ent­ste­hen, auf die Ihr Kind im Kin­der­gar­ten dann trifft. Ein schö­nes Ritu­al ist es auch, gemein­sam den Ruck­sack für den ers­ten Kin­der­gar­ten­tag zu packen. Das stei­gert die Vor­freu­de!

Wie Sie mit der Situa­ti­on umge­hen, hängt natür­lich vom Alter und Ent­wick­lungs­stand Ihres Kin­des ab. Schau­en Sie ein­fach, was für Sie und Ihr Kind passt. Wich­tig ist, dass Ihr Kind Sie und sein neu­es Umfeld als ver­läss­lich erlebt. Hal­ten Sie sich daher grund­sätz­lich an Abspra­chen, die Sie mit Ihrem Kind getrof­fen haben. Das stärkt.

Wie kann ich eine enge Verbindung zu meinem Kind halten?

Die Mut­ter-Kind-Bezie­hung ist die wohl wich­tigs­te Bin­dung im Leben eines klei­nen Men­schen. Sie beginnt bereits im Mut­ter­leib und beglei­tet durch alle Lebens­pha­sen. Auch wäh­rend des Los­lö­se­pro­zes­ses kann die Mut­ter die enge Bin­dung zum Kind hal­ten, zum Bei­spiel über ein Sicher­heit geben­des Ritu­al oder Sym­bol wie die­ses: 

Bevor Mama für eine hal­be Stun­de “unter­wegs” ist, kön­nen sich bei­de ein Blatt vom Baum tei­len. Bei­de — Mut­ter und Kind — bewah­ren je einen Teil davon in der Hosen­ta­sche auf. Das ver­bin­det sie auch in der Abwe­sen­heit und es gibt dem Kind Halt. Es sym­bo­li­siert: Mama kommt zurück. Das glei­che Ritu­al taugt natür­lich auch für Papas 😉.

Ein ‘Stück Zuhau­se’ mit­ge­ben

Ver­trau­te, posi­tiv asso­zi­ier­te Gegen­stän­de erleich­tern Ihrem Kind die Ein­ge­wöh­nung. Denn sie schaf­fen eine Ver­bin­dung mit sei­nem Zuhau­se: Sei es ein Kuschel­tier, ein Schnuf­fel­tuch oder das eige­ne Kopf­kis­sen. 

In eini­gen Kin­der­gär­ten hat jedes Kind einen Platz im Grup­pen­raum für ein eige­nes Fami­li­en­fo­to. Das ist eine schö­ne Mög­lich­keit, Mama und Papa im Kin­der­gar­ten dabei zu haben.

Wie gelingt uns Eltern das ‘Loslassen’?

Auf­grund der engen Bin­dung zu Ihnen spürt Ihr Kind natür­lich, wie es Ihnen mit der neu­en Situa­ti­on geht. Dadurch merkt es oft­mals auch, wenn Mama und Papa selbst unsi­cher sind. Gehen die Eltern gestärkt und mit Sicher­heit in die neue Lebens­pha­se, dann wird auch das Kind gestärkt. Schen­ken Sie Ver­trau­en in ihr Kind und die neue Situa­ti­on, dann ver­traut auch Ihr Kind in sich und sei­ne neue Umwelt. 


Und auch, wenn es viel­leicht schwer fällt: Hal­ten Sie sich wäh­rend der Ein­ge­wöh­nung eher im Hin­ter­grund. Sei­en Sie gleich­zei­tig der siche­re Hafen, in den Ihr Kind zurück­keh­ren kann, wenn es Sicher­heit braucht. Aber sei­en Sie kein Bei­boot, son­dern ein Hafen.  

Wie gestalten wir den neuen Alttag?

Ver­su­chen Sie, Ihr Kind in der Zeit nach der Ein­ge­wöh­nung zei­tig abzu­ho­len, damit es sich lang­sam und all­mäh­lich an den neu­en Rhyth­mus gewöh­nen kann. Fest steht: der Über­gang in die Kin­der­gar­ten­zeit ver­än­dert den Fami­li­en­all­tag. Sie haben auto­ma­tisch weni­ger Zeit mit­ein­an­der. Doch nach­mit­tags, nach dem Kin­der­gar­ten, bleibt noch immer genug Zeit für gemein­sa­me, schö­ne Erleb­nis­se wie etwa Eis essen, in den Zoo gehen oder Ähn­li­ches. Das kann in den Augen des Kin­des eine „Abma­chung“ sein, die Ver­läss­lich­keit und Sicher­heit schafft. Auch die Eltern haben dann etwas, wor­auf sie sich freu­en kön­nen; näm­lich auf ihr Kind, das Eis und die gemein­sa­me Zeit. 

Verändert sich mein Kind, wenn es in den Kindergarten geht?

Vor­über­ge­hend kann Ihr Kind sein Ver­hal­ten zuhau­se ändern. Das ist aber kein Grund zur Sor­ge. Sie als Eltern soll­ten sich viel­leicht dar­auf ein­stel­len, dass Ihr Kind nachts häu­fi­ger als gewohnt ins Eltern­bett kommt. Durch das nächt­li­che Schlüp­fen ins Fami­li­en­bett holen sich Kin­der Gebor­gen­heit und Sicher­heit in der Nacht, die sie brau­chen um am nächs­ten Mor­gen gestärkt in den Kin­der­gar­ten­tag zu star­ten. Wie vor­über­ge­hend das ist, hängt vom Kind ab: Spä­tes­tens als Schul­kind, aller­spä­tes­tens zu Beginn der Puber­tät geht auch das vor­bei. 

Die Zusammenarbeit mit dem Kindergarten

Bau­en Sie als Eltern zu den Fach­kräf­ten im Kin­der­gar­ten einen har­mo­ni­schen und wert­schät­zen­den Kon­takt auf. Schließ­lich sind sie es, die Ihren Nach­wuchs betreu­en und beglei­ten bei all dem, was er täg­lich erlebt. Ihr Ver­hält­nis hat einen wesent­li­chen Ein­fluss auf Ihr Kind, denn gera­de in der früh­kind­li­chen Pha­se ori­en­tiert es sich stark an den Eltern. Wenn Sie Vor­be­hal­te gegen­über den Päd­ago­gen offen zei­gen, wird auch Ihr Kind eher Schwie­rig­kei­ten haben, sich auf sie ein­zu­las­sen.

Ihr Kind folgt Ihren Gefüh­len

Stel­len Sie sich in ein offe­nes, wohl­wol­len­des Ver­hält­nis zu den Päd­ago­gen, dann fällt es intui­tiv auch Ihrem Kind leicht, die­sen Men­schen ihr Ver­trau­en zu schen­ken. Kin­der haben ’sehr fei­ne Anten­nen’.

Unter­stüt­zen Sie des­halb aktiv den Bezie­hungs­auf­bau. Ermu­ti­gen Sie es, sich auf die ‚gro­ßen Men­schen‘ im Kin­der­gar­ten ein­zu­las­sen. Tau­chen bei Ihnen Beden­ken oder Sor­gen auf, dann bespre­chen Sie die­se offen mit den Päd­ago­gen und stre­ben eine gemein­sa­me Lösung an. Beden­ken Sie: Sie sind die Exper­ten für Ihr Kind. Daher hören Sie auf Ihre Intui­ti­on und ver­trau­en Sie dar­auf! 

Der Wechsel von der Krippe in den Kindergarten

Auch wenn der Über­gang in der glei­chen Ein­rich­tung pas­siert: Der Wech­sel von der Krip­pe zum Kin­der­gar­ten bedarf einer neu­en Ein­ge­wöh­nung. Oft­mals orga­ni­sie­ren das die Mit­ar­bei­ten­den inner­halb der Ein­rich­tung unter sich. Las­sen Sie sich trotz­dem das Kon­zept der “Ein­ge­wöh­nung inner­halb der Kita” ein­mal genau erklä­ren. Gege­be­nen­falls kön­nen Sie auch in die­ser Pha­se Ihr Kind vor Ort unter­stüt­zen.

Es beginnt in Ihrem Kopf!

Die­ser Arti­kel rich­tet sich aus gutem Grund vor allem an Sie als Eltern. Ihnen kommt hier näm­lich eine Schlüs­sel­rol­le zu: Wenn Sie ‘Mind­set-Arbeit’ leis­ten, indem sie ihrem Kind ver­trau­en, sich selbst und ihren Ent­schei­dun­gen ver­trau­en, den Päd­ago­gen ver­trau­en und aktiv das Los­las­sen üben, dann kann Ihr Kind sanft und ver­trau­ens­voll in sei­ne Kin­der­gar­ten­zeit star­ten. Machen Sie es sich selbst und Ihrem Kind leicht. Ent­schei­den Sie sich: dann klappt‘’s.

Ich wün­sche Ihnen und Ihrer Fami­lie alles Gute für die Zukunft. Bis bald.

Ihr

Mar­cell Hein­rich

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